Für die Triathletin Michelle Alferink vom SuS Stadtlohn wurde der 24.05.2026 zu einem Rennen voller Extreme – und am Ende zu einem Tag, den sie wohl nie vergessen wird. Bei „The Championship“, dem großen Finale der internationalen Challenge-Family-Serie im slowakischen Šamorín, sicherte sich die Ausdauersportlerin den zweiten Platz ihrer Altersklasse und darf sich damit nun offiziell Vize-Weltmeisterin AK 40 der Challenge Family Serie nennen.
Athletinnen und Athleten aus insgesamt 63 Nationen waren zum großen Finale der internationalen Challenge-Serie angereist. Austragungsort war das hochmoderne X-Bionic Sphere in Šamorín, der Olympiastützpunkt der Slowakei. Für Michelle Alferink begann die Reise bereits einige Tage vor dem Wettkampf. Erst ging es zunächst nach Wien und anschließend weiter nach Bratislava, wo letzte Trainingseinheiten, Materialchecks und die unmittelbare Wettkampfvorbereitung auf dem Programm standen.
Einen Tag vor dem Rennen reisten schließlich auch ihr Mann Dennis, Tochter Kim sowie eine Freundin der Familie an, um Michelle vor Ort zu unterstützen. „Allein dieser Rückhalt hat mir unglaublich viel bedeutet“, berichtet die Stadtlohnerin.
Am Sonntagmorgen fiel dann um 9.45 Uhr der Startschuss für eines der härtesten Rennen ihrer bisherigen Laufbahn. Auf dem Programm standen 1900 Meter Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und ein Halbmarathon – bei Wetterbedingungen, die kaum extremer hätten sein können.



Bereits das Schwimmen wurde zur ersten großen Herausforderung. Geschwommen wurde in einem Seitenkanal der Donau bei gerade einmal 15 Grad Wassertemperatur. Der Start ins Rennen fühlte sich für viele Athletinnen wie ein echter Kälteschock an. „Das Wasser war einfach unfassbar kalt. Ich hatte noch nie so kalte Füße und so ein kaltes Gesicht beim Schwimmen“, so Alferink.
Trotz der eisigen Bedingungen blieb Sie ruhig, konzentrierte sich bewusst auf ihre Atmung und fand schnell ihren Rhythmus. Gerade bei kaltem Wasser ist kontrolliertes Atmen entscheidend, damit der Körper nicht verkrampft und die Atmung hektisch wird. Die Taktik zahlte sich aus: Bereits auf der Schwimmstrecke überholte sie die kompletten zwei zuvor gestarteten Gruppen und kam nach starken 29:33 Minuten als Zweite ihrer Altersklasse aus dem Wasser. Nach dem ersten Wechsel lag sie dann bereits in Führung.
Auf dem Rad spielte sie anschließend ihre Stärke aus. Die 90 Kilometer lange Strecke wurde zu ihrer Paradedisziplin. Kilometer für Kilometer baute sie ihre Führung aus und kehrte nach starken 2:27 Stunden weiterhin auf Rang eins liegend in die Wechselzone zurück.
„Auf dem Rad wäre vermutlich sogar noch mehr drin gewesen. Aber ich hatte wirklich Respekt vor der Hitze. Der enorme Temperaturunterschied zwischen den 15 Grad Wassertemperatur beim Schwimmen und den späteren 31 Grad beim Radfahren und Laufen kostete zusätzlich Energie. Durch die zuvor kühlen Wetterverhältnisse war es außerdem schwer einzuschätzen, wie der Körper auf diese Belastung reagieren würde, da eine wirkliche Akklimatisierung an die Hitze kaum möglich war. Deshalb wollte ich auf keinen Fall überpacen.“
Die Entscheidung erwies sich als goldrichtig. Denn beim Wechsel zum Laufen wurde das Rennen endgültig zum Kampf. „Als ich vom Rad abgestiegen bin, hat es mir plötzlich extrem in den Rücken geschossen. Ich dachte nur kurz: Bitte nicht jetzt“. In der Wechselzone hieß es deshalb erstmal dehnen, durchatmen und irgendwie weiterlaufen.

Die vier Laufrunden rund um das X-Bionic Sphere verlangten den Athletinnen anschließend alles ab. Unterschiedlichste Untergründe aus Sand, Asphalt, Wiesen und Passagen auf der aufgeheizten Trabrennbahn machten den Halbmarathon zusätzlich brutal. Eigentlich hatte Alferink gehofft, beim Laufen noch mehr herausholen zu können. Doch schnell wurde klar, dass an diesem Tag nicht die Pace, sondern die richtige Kühlung entscheidend sein würde.
Mit Wasser über Kopf, jedem Wasserschlauch entlang der Strecke und großem Kampfgeist arbeitete sie sich Kilometer für Kilometer durch die Hitze und verteidigte ihre Führung bis tief in die letzte Runde. Erst dort musste sie sich der stark aufkommenden Italienerin Alessia Mancini geschlagen geben, die ihre enorme Laufstärke ausspielte. Am Ende fehlten Alferink lediglich 14 Sekunden zum Sieg – als sie nach 4:46 Stunden die Ziellinie überquerte.

Doch statt Enttäuschung überwog im Ziel vor allem eines: Stolz. Mit Platz zwei sicherte sich die Stadtlohnerin nicht nur das Podium, sondern auch den bislang größten Erfolg ihrer Triathlon-Karriere. Getragen wurde sie dabei nicht nur von der Stimmung entlang der Strecke, sondern vor allem auch von ihrer Familie und ihrem Support-Team. „Die Stimmung war richtig gut und mein Support einfach super. Ohne meine Familie wäre das alles gar nicht so möglich“.
Die Siegerehrung am Abend bildete schließlich den emotionalen Abschluss eines unvergesslichen Tages. Vor mehreren hundert Gästen wurde Michelle Alferink im großen Saal des X-Bionic Sphere auf der Bühne geehrt – ein Moment voller Gänsehaut, Emotionen und Stolz.


Viel Zeit zum Durchatmen bleibt der Stadtlohnerin allerdings nicht. Bereits am 6. Juni steht mit dem ersten Start in der 2. Bundesliga im schleswig-holsteinischen Itzehoe die nächste große Herausforderung an. Dabei geht sie in dieser Saison mit einem Zweitstartrecht für das Triathlon-Team Ratingen 08 in der 2. Damen-Bundesliga an den Start.
Eine völlig neue Herausforderung für die Athletin, die sich dort künftig stärker auf kürzere, schnellere Rennformate und jüngere Konkurrentinnen einstellen muss. „Mein Herz schlägt aber weiterhin für den SuS Stadtlohn. Uns fehlen hier eigentlich nur noch ein paar Frauen für den Triathlonbereich – also dürfen sich gerne Interessierte melden und einfach mal vorbeikommen“
